Handauflegen

Sylvia Anna Maria Geisler

Wegweiser

Durch die Einweihungen in das klassische Reiki erfuhr mein Leben eine Zäsur. Jetzt, wo ich fast 25 Jahre später darüber nachdenke, hieß die damalige Botschaft: „Besinne dich auf das bloße Menschsein und löse dich von richtig und falsch.“ Leichter gesagt als getan, denn ich hatte keinen Lehrer und war weit von jeder Selbsterkenntnis entfernt.

Anne Höfler, Gründerin der Open Hands Schule, lernte ich 2017 kennen, damit änderte sich mein Leben, mein Weltbild und mein bisheriges Verständnis für Körperarbeit grundlegend.

Höfler lehrt das Handauflegen auf der Grundlage des kontemplativen Gebets, sieben innerer Prinzipien und einer klar definierten Ethik. In ihrer Lehre und ihrem Verständnis erkannte ich die höhere Form des Handauflegens, die ich seitdem praktiziere und lehre.

Aus der eigenen Quelle, meiner inneren Heimat, den Menschen der zu mir kommt berühren und heilen wurde ein Schlüsselerlebnis, denn ich spürte plötzlich, dass ich zu keinem anderen Zeitpunkt näher bei mir bin als wenn ich ganz bei dem Anderen bin.

Hinzu kam palliatives Handauflegen, ein Schwerpunkt in der Open Hands Schule. Als ausgebildete Lebens-und Sterbebegleiterin und einer palliativen Weiterbildung durch Anne Höfler wurde die Begleitung anderer zu einem Weg, selbst als Mensch zu reifen. Durch das Handauflegen in den letzten Lebenswochen-und Tagen kann der Mensch zu einem Feld inneren Friedens gelangen, einem Ort seiner Unversehrtheit und seiner Vollkommenheit. Familiengehörige und Freunde können, wenn sie möchten, mit wenigen Handpositionen, die leicht zu erlernen sind, dem Sterbenden dabei behilflich sein.

 

Innehalten

Ich beobachte gerne….

Einem unvorstellbaren Lärm folgend, stieg ich auf einen Deich. Durch mein plötzliches Erscheinen flogen viele tausend Weißwangengänse auf, flogen dicht über meinen Kopf hinweg, rechts und links neben mir vorbei. Inmitten und umgeben von diesen Vögeln wusste ich, dass ich nicht mehr Teil einer bestimmten Gesellschaftsschicht bin sondern ein Teil der Natur.

Ähnliche Erfahrungen wie bei der Vogelbeobachtung mache ich, wenn ich Pflanzen sammle und verarbeite. Um alles noch genauer kennenzulernen, um meinen Lebensraum immer noch besser zu verstehen machte ich eine Ausbildung zur Heilkräuterpädagogin. Das beobachten der Natur braucht Zeit. Nur wer Zeit hat, kann der natürlichen Bewegung des Lebens ihre eigene Zeit lassen und so seinen inneren Erfahrungsraum, genannt Seele, erweitern. Eine einzige Minute im zeitlosen Raum währt unendlich. Hier bin ich frei von inneren Themen.

Lauschen auf das große Ganze, in das jedes Geschehen eingebettet ist, ist meine innere Haltung und mein Fundament fußt auf der Kontemplation, ein kontemplatives Leben, das sich zum größten Teil meinem Mann, Eberhard Geisler, Kontemplationslehrer der FSK, verdankt.